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III. Akt
Heraus aus der Systemkrise

 

Liebe Besucher,
heraus aus der Systemkrise. Darum geht es hier im III. Akt. In den Akten davor wurde hier in Foren viel diskutiert, zum Download bereit gestellte Artikel über Systemik, Kybernetik und Bionik im Management wurden vielfach herunter geladen. Vom II. in den III. Akt stürzte die Plattform Funktionieren - zufällig(?) zur selben Zeit wie die aktuelle Finanz- und Weltwirtschaft - in eine Systemkrise. Es kam zu einer Pause von eineinhalb Jahren. 

Über Krisen
Krisen entstehen, wenn man komplexe Systeme falsch einschätzt, behandelt bzw. benutzt, wenn die Einsicht in ihr Wirkgefüge, ihre Eigendynamiken und Rückkoppelungen fehlt. Während instabile Systeme nach der Beseitigung der Störfaktoren wieder nach denselben Regeln wie zuvor funktionieren, können Systeme eine Krise nur durch eine Veränderung der Regeln überstehen.  

Wie selbstverständlich ist Funktionieren?
Viele bemerken das Funktionieren alltäglicher Dinge erst, wenn sie nicht mehr funktionieren. Jeder Ausfall einer Strom-, Internet- oder Mobilkomverbindung führt  das zum Beispiel vor Augen. Jede Krankheit führt vor, dass Gesundheit, jede Störung, dass Funktionieren nicht selbstverständlich ist.

Über die stärksten Regeln in einem System
Das Funktionieren aller komplexen Systeme hängt von ganz bestimmten Naturgesetzen ab. Sie wurden um die Mitte des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Kybernetik erforscht und beziehen sich vor allem auf den nötigen Umgang mit Information, Kommunikation und Fragen der Balance in Beziehungen durch Ausgleich. Man muss sie genauso gut verstehen und beachten wie die Naturgesetze der Physik im Umgang mit Materie und Energie.  

Naturgesetze sind die stärksten Regeln, die in komplexen Systemen wirken, weil sie niemand abschaffen oder ändern kann. Es kann sie auch niemand missachten, ohne Verluste oder Schaden anzurichten. Heraus aus der Systemkrise, das bedeutet in jedem Fall, in erster Linie diesen Naturgesetzen gerecht zu werden, anstatt sie zu ignorieren.
 
Die richtigen Vorstellungen haben
Die derzeitige Regel ist noch, dass nur die Wenigsten eine sachgerechte Vorstellung von Komplexität haben und die kybernetischen Naturgesetze kennen. Wenn eine realistische Vorstellung von der Eigendynamik komplexer Systeme die Regel ist, werden wir seltener Systemkrisen erleben.

Was leider nicht funktioniert
Dürfen Sie nun nach all diesen Aussagen erwarten, dass Sie hier auch die nötige(!) Auskunft über die kybernetischen Naturgesetze und Merkmale von Komplexität erhalten? Nein, das funktioniert aus kybernetischen Gründen leider nicht. Die beiden ersten Akte sollten das demonstrieren.

Die Kybernetik ist eine strikt praxisbezogene Wissenschaft. Sie gibt sich nur in realen Praxissituationen ausreichend zu erkennen und verstehen. In der Auseinandersetzung mit der Theorie allein entwickeln sich zu leicht und dann oft unüberwindbare Missverständnisse. Das liegt am menschlichen Gehirn und an den Problemen der Sprache an sich.

Die Kybernetik kann man ebenso wenig allein anhand von Schilderungen begreifen wie z.B. das Klavier spielen. Man muss das richtige Anwenden der Kybernetik anhand konkreter Aufgaben, Situationen oder Probleme erlernen, wie man am Klavier probieren und üben muss. Es ist auch wie mit der Medizin. Selbst wer alle für das Studium dieses Fachs nötigen Bücher gelesen hat, ist noch lange kein guter Arzt.

Wissen, was man nicht weiß
Das Gefährlichste im Umgang mit komplexen Angelegenheiten ist jedoch, nicht zu wissen, was man nicht(!) weiß. Komplexe Systeme sind z.B. prinzipiell undurchschaubar. Schon, wenn einem klar ist, dass man über ein bestimmtes komplexes System nie alles und nie genug wissen kann, wird man vorsichtiger mit ihm umgehen. Man muss vor allem die Regeln aus seinen Schuljahren vergessen, die sagen, dass es schlechte Noten und Gelächter gibt, wenn man etwas nicht weiß.

Fragen sind wichtiger als Antworten
Heraus aus der Systemkrise, das könnte auch funktionieren, indem man die vorherrschenden Kommunikationsregeln über komplexe Systeme verändert. Zum Beispiel immer dann, wenn Komplexität als Begründung für ein Problem, einen Misserfolg oder eine unsichere Antwort herangezogen wird. Anstatt sich damit zufrieden zu geben, kann man zum Beispiel nachfragen: Aber was wissen wir über komplexe Systeme und ihre kybernetischen Naturgesetze an sich, und was können wir daraus für diese konkrete Situation ableiten? Probieren Sie es aus, und beobachten Sie genau, was sich dann entwickelt.

Ich danke den vielen stillen Mitlesern, diskreten Mitdenkern und allen Teilnehmern in den öffentlichen Foren für Ihr Interesse und Ihre Beteiligung im I. und II. Akt und lade Sie ein, den III. Akt außerhalb dieses Bildschirms in Ihrem wirklichen Leben, in Ihrer realen Umgebung mit den Regeln zu spielen, die ich hier vorschlage.

An dieser Stelle ist noch mitzuteilen, dass sich Fredmund Malik als Mitinitiator dieser Plattform allenfalls noch zu Wort melden wird, sobald er Zeit findet. Für meinen Teil darf ich mich mit meinem letzten Impuls auf dieser Plattform hier von Ihnen verabschieden.

Herzlich

Maria Pruckner

PS: Die hier früher bereit gestellten Publikationen finden Sie unter www.malik-mzsg.ch und www.mariapruckner.com

 

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